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16/03/20

Ich habe seit letzter Zeit immer mehr und verstärkt mit meiner Panik/Angst zu kämpfen. 
Sie rauben mir den Atem, drücken sich auf meinen Brustkorb und darunter. Sie kommen aus dem nichts und gehen wieder dahin. Ich denke in diesen Momenten nichts. Ich denke davor an nichts, was die Angst/Panik auslösen könnte. Und dann *zack* kommt es. Und lässt mich als zurück mit nichts als fühlbarer Angst. 
Meine Alkoholiker-Züge kamen auch wieder verstärkt auf. Aber unabhängig. Ich trinke nicht gegen die Angst. Ich trinke und ich habe Angst. Vielleicht liegt es auch an meinen Medikamenten. Aber eigentlich sollte es da keine Wechselwirkungen geben (Sertralin und Quetiapin). Wobei ich hoffentlich bald vom Ersterem weg bin, einfach weil es nicht wirkt bzw. doch, aber nicht richtig. Mir geht’s damit nur beschissener. Und ohne dem Zweiteren könnte ich absolut nicht schlafen. Ich frage mich, wie ich es früher konnte. Ach stimmt ja, konnte ich nicht. Lol. (Lol kann bei mir literally alles bedeuten, von ‚oh fuck‘ bis hin zu ‚funny shit‘). Ich habe letztens herausgefunden, warum ich so eine Panik vor dem Leben habe, beziehungsweise im Umkehrschluss mit dem Sterben, because of my family. They were all afraid that I will die like my sister. And I guess this type of panic has taken root in me. 

Ich muss heute wieder mal in die alte Heimatstadt fahren. Okay, welche von den 10000 würde der aufmerksame Leser sich fragen. Die letzte aus der ich geflohen bin. Abschlussgespräch bei meiner Thera und meinem Psychiater. 
Ich hab seit Dezember keinerlei Anbindung mehr an Therapie etc.  und ich merke, wie alles langsam aber sicher sich von der Symptomatik verschlechtert. Fun fact: meine Beziehung läuft schon noch, aber ich hatte Samstag seit langem mal wieder den unbändigen Impuls meine Beziehung zu beenden. Hatte schon Fluchtpläne zu meiner besten Freundin (die ein paar Städte weiter von mir weg wohnt). 
Am Abend haben mein Freund und ich es doch noch geklärt bekommen. Ich habe geweint (untypisch für mich, aber alles ist über mich zusammen gebrochen. Da war so viel Schmerz in meinem Herz). Und ich habe mich so schlecht gefühlt, als ob ich ihn hintergangen hätte, was ich teilweise ja getan habe und hmmmm. I don‘t know it’s way too much for my brain. 

Ich sitze momentan im Zug und genieße meinen iced coffee. Endlich bieten sie den wieder in meinem local Balzac an. Warum werden Eisdielen im „Winter“ geschlossen? Das ist die einzig vernünftige Jahreszeit in der man die scheiße essen kann, ohne dass sie einen wegschmilzt/wegläuft. Hoomans are weird. 

Mein Mitbewohner ist ziemlich  cool. Ich hatte mich gestern mit ihm mehr als verquatscht und er hat alle meine Enthüllungen mit ziemlicher Gelassenheit aufgenommen (Thema sexuelle/Partner Präferenzen und Gender stuff). 
Mein Freund war auch ziemlich… gelassen/liebevoll(?), als ich halt zu ihm meinte, dass ich nicht komplett männlich bin, sondern mich eher als androgyn/bigender bezeichnen würde, beziehungsweise mich halt so fühle (er ist stockschwul) und ihm war es relativ egal. Und auch meine Sorge, dass ich dementsprechend nicht genügend sein könnte, hat er weggewischt. Hat mir ziemlich viel von den Schultern/Herzen genommen. 
BTW ist mir doch sehr aufgefallen, dass ich seit dem ich mich geoutet habe (und mehr Ich sein konnte), es mir leichter fällt, zu MEINEN Gefühlen zu stehen. Isn’t it weird? Als ob ich davor nur neben ihnen stand und sie nicht zugänglich waren, also zumindest nicht so … richtig/wie sie jetzt sind.  Als ob ich mich die ganze Zeit davor vor mir selbst versteckt habe. Was komisch ist, weil ich mich jetzt (zumindest von außen) vor meinem biologischem Ich verstecke (okay auch nicht ganz richtig, aber Gesellschaft sagt so nh). 
Mein jetziger Name passt auch insgesamt viel mehr. Fühlt sich nach meinem richtigen Namen an. Mein alter war mehr ne notwendige Bezeichnung, um zumindest zu wissen, wie man über sowas widerliches wie mich reden kann. Es war mehr Beleidigung denn Name. Keinerlei Verbindung zu diesem Buchstabensalat. 

Mein Zimmer in meiner neuen WG fühlt sich endlich nach „Zuhause“ und „Erkennen“/„Ausruhen“ an. Hat mich auch nur … 6-8 Wochen gekostet. 

Und um mit etwas gutem zu enden:
Ich wurde in meiner Wunschausbildung genommen!!! Ich werde ab August oder so meine Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten machen. Zusammen mit nem Kumpel den ich aus der Klinik kenne und der mit in meiner WG wohnt. 

Und ich zeichne endlich mal wieder mehr. Es ist tatsächlich das einzige wo ich komplett drin aufgehe und alles vergesse. Ich hatte immer geglaubt, dass es sowas für mich nicht gibt, einfach weil ich mich einer Sache nicht zu 100% hingeben kann. Aber die Kunst ist es doch. Ich bin mir selbst der größte Kritiker. Und ja, ich zeichne nicht wie ein Profi, aber ich mag es. Weil es mit einer Message aus meinem tiefsten inneren kommt. Nicht weniger. Ich hab es früher „emotionales Zeichnen“ genannt, weil mir keine bessere Bezeichnung einfiel. Okay tut es auch heute nicht, aber es gibt nur zwei Sachen, die sich tatsächlich konstant durch mein Leben ziehen (und eigentlich ist mein Leben voller Viel, bunte Fäden und Chaos, Informations-/Eindruck-Überreizung, weil nichts genügend ist um meine dauerhafte Langeweile/Unterforderung zu befriedigen) und das wären die Kunst (alle Formen der kreativen Entfaltung) und das Fahrradfahren (alle anderen Sportarten geben mir nichts). 


Hier noch ein Bild meines sonnigen Morgens:

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