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Die Entfremdung deiner selbst

 Ich habe eigentlich keine Worte mehr, um zu beschreiben, was in mir vorgeht. Und doch ist da der übermächtige Drang sich mitzuteilen. 

Aber wie soll das geschehen? Soll ich einfach Wörter anderer Menschen zusammenlegen und hoffen, dass sie Sinn ergeben und mein Innerstes wiederspiegeln? 

Die Impulsivität grüßt mal wieder schön; in Form von impulsiven Shopping. Ich hasse es so sehr, weil ich es nicht kontrollieren kann. Weil ich irgendeinem inneren Trieb unterliege. Okay, ich möchte einfach nur meine innere Leere füllen, mit Dingen, die mir als Kind verwehrt blieben. 

Ist schon scheiße, wenn man Kindheit und Jugend gleichermaßen nachholen muss/soll. 


Meine Thera hat mir gestern um die Ohren gehauen, dass ich aufgrund der Tatsache, dass ich nicht der "typische Borderline Patient" bin, die Diagnose ja auch eigentlich nicht habe, bzw. sie würde die Diagnose gerne als Arbeitsthese wegnehmen. Wundervoll, ganz, ganz wundervoll. Versteht mich nicht falsch, ich will nicht haben, um mich damit zu profilieren, aber es tut schon weh zu sehen, wie sehr auch Therapeut*innen in Schubladen denken (wollen). Nur weil ich nicht wie Patienten XY reagiere, bin ich nicht valide genug, um Diagnose XY zu erhalten. Ganz toll. Ich bin echt wütend und gekränkt. Als ich dann zu ihr meinte, dass ich die Diagnose mit all ihren Symptomen für mich als passend ansehe, hat sie nur erwidert: "Sie klammern sich also an die BPD Diagnose." aber in einer, meiner Meinung nach, abschätzigen und wertenden Art. Als wolle sie eigentlich was anderes sagen. 


Anderes Thema: die Ausbildung zerrt sehr an meinen Nerven und an meiner Gesundheit. Mehrheitlich auch aus dem Grund, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben ernstahft Kinder-Viren asugesetzt bin. Die hauen mich echt weg. Dabei habe ich mein Immunsystem immer als sehr stark angesehen. Jetzt werde ich alle 4-6 Wochen krank und liege eine Woche flach. 

Außerdem belastet mich mein Anspruch an mich selber. Ich will perfekt sein, will die perfekte päd. Fachkraft sein, was unmöglich ist. Aber dennoch.. Ich erlebe mich häufig als noch nicht so fest in meinen Meinungen und Ansichten; eher schwimme ich hin und her und reagiere eher spontan auf Dinge, ohne sie lange, minutiös geplant zu haben. Und irgendwie stört mich das. GLeichzeitig habe ich in den letzten zwei Wochen das Feedback erhalten, dass ich sehr klar bin und man sofort weiß, woran man bei mir ist. Was es im Umkehrschluss leichter macht, mir zu vertrauen. 

Ich habe enorme Angst, dass ich nicht gut genug sein werde. Dass ich nicht die nötigen Charaktereigenschaften habe, die für die Arbeit mit Menschen gefordert sind. Weil ich weiß, dass mein theoretisches Fachwissem gut, zum großen Teil sehr gut, ist. Wobei mir jedes Mal die eine Stimme (die des Kritikers) in mein Ohr flüstert, oder schreit, dass ich auch nur im Vergleich zu meiner Klasse hervorsteche. Nächstes Jahr im Erzieher werden meine Aussagen enttarnt werden und alle werden sehen, dass ich eigentlich nur eine Zirkusshow bin. Sie werden sehen, dass ich auch nur in einem bestimmten Bereich gut bin, und bei allem anderen nur ein Clown, der seine einstudierte Show abliefert. 

Es wird immer etwas schwieriger, diese Maske aufrecht zu erhalten. Der großen Menge zu verkaufen, dass ich ein lustiger, wenn auch kluger Kopf bin. Dass das keine großen Tr*umas versteckt werden. Es wird schwieriger auf bestimmte Fragen ehrliche Antworten zu liefern. WIe gestern die Frage zu "Was für Gefühle zeigt ihr offen, und welche versteckt ihr eher?", "Woher konntet ihr die Gefühle gerade darstellen? [im Rahmen einer zur Schaustellung, wie z.B. Wut, etc. aussieht]". 

Meine ehrlichen Antworten? Ich verstecke alles außer Freude, oder das was die meisten darunter verstehen. Ich konnte die Gefühle nur darstellen, weil ich memorisiert habe, wie Menschen dabei im Schnitt aussehen. Das habe ich meiner Thera so erzählt, in der Schule habe ich nur den wagen Kommentar gegeben, dass man Gefühle versteckt, weil sie potentiell gefährlich werden können. Mein Lehrer fand das sehr toll. Ich wollte mir eher die Zunge rausre*ßen danach. 

Ich habe auch Angst, oder vielmehr panikähnliche Angst, vor den Prüfungen. Nicht so sehr den schriftlichen in der Schule, sondern vielmehr die praktischen Prüfungen, welche ich in der Krippe absolvieren soll, bei der ich von mehreren Menschen beobachtet und bewertet werde. Ich habe das jetzt schon in einem ähnlichen Rahmen hinter mir und es war.. schrecklich. Und dennoch schien meine Anleiterin der Meinung zu sein, dass ich vieles an Werkzeug und Skills schon besitze. Ich glaube, sie lügt. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass sie mich so erlebt. Das widerspricht dem Bewertungsbogen doch. Sie weiß um mein großes fachliches Wissen, und um meine guten Noten in der Schule, aber in der Praxis bin ich nicht annähernd so brillierend. Es hat dennoch für meinen angestrebten Schnitt gereicht. 

Und wenn ich ganz ehrlich bin, möchte ich die Zeit einfach überleben. Die Note ist mir egal (nein ist sie dir nicht), ich will es einfach hinter mir haben. 


Dann steht noch der Umzug an, der auch mehr stressy depressy ist, als ich es haben möchte. Nichts ist konrekt und fest planbar, nicht im Kalender festgepinnt. Ich habe Angst, dass doch alles nicht klappt (was nicht möglich ist, da ich den Mietvertrag unterschrieben habe), und ich werde mich erst entspannen können, wenn ich in der Wohnung wirklich bin mit all meinen Möbeln. Das ist jetzt alles noch 2-3 Wochen hin. Zeit für viel Stress also. 

Ich habe auch meine nächste zuständige Person kennengelernt, die dann die ambulante Betreuung übernehmen wird. Und irgendwie... ist mein Bauchgefühl nicht ganz glücklich. Sie (J) schien erst ganz nett, und dann hat sie sich super mit meiner jetzigen Betreuerin (Jo) verstanden, und da sind meine Alarmglocken angegangen. Sie kennen sich von früher, sind auf dieselbe Schule gegangen etc. Ich habe das Gefühl, dass ich wieder die ganze Zeit auf der Hut sein muss. Aus Angst, dass J was an Jo (die teilen sich sogar ein Kürzel urgh) weitergibt. Was sie nicht darf, aber was weiß ich denn, was hinter allen Türen im Privaten abgeht. 


Mensch, ich habe doch Worte gefunden. Wie schön. Der Post ist jetzt einer der längeren Posts seit längerer Zeit. 

XO S

Kommentare

  1. Ich lese jetzt schon länger still mit und wollte dir nur sagen wie unfassbar gut ich mich mit vielem was du schreibst identifizieren kann. Das hört sich gerade nach einer Menge an.. Aber du machst einfach einen Schritt nach dem anderen und schaffst ganz sicher alles was jetzt auf dich zukommt! Liebste Grüße

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